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Die BACHGEMEINDE WIEN - ein Rückblick

Die BACHGEMEINDE WIEN mit dem
Weihnachtsoratorium von J. S. Bach
im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses - 2004
Die BACHGEMEINDE WIEN
ist eine Vereinigung von Künstlern
und Musikfreunden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben,
das Verständnis der Musik von Johann Sebastian Bach
und seiner Zeit zu fördern und zu vertiefen.
Die Tätigkeit des Vereins ist unpolitisch, interkonfessionell
und nicht auf Gewinn orientiert.
Aus den Vereins-Statuten
Richard Strauß über unseren
Gründer Alexander Wunderer:
"Er ist der Statthalter Bachs auf Erden."
Chronik - Kurzfassung
Seit 1913 zählt die Bachgemeinde Wien, die von dem philharmonischen Oboisten Alexander Wunderer gegründet wurde, zu den renomierten Wiener Musikinstitutionen.
Selbstverständlich steht die Pflege der Werke Johann Sebastian Bachs nach wie vor im Mittelpunkt ihrer Konzertgestaltung, daneben gelangen aber auch immer wieder bedeutende Werke von Schütz, Händel, Mozart, Brahms, Bruckner u.a. zur Aufführung.
Im Jahr 1938, in dem Prof. Julius Peter die Leitung der Bachgemeinde Wien übernahm, war auch die Geburtsstunde unseres vereinseigenen Oratorien- bzw. Motetten-Chores, da bis dahin nur ein Instrumentalensemble bestand. Seitdem begann auch die Aufführung der großen Werke der Chorliteratur durch die Bachgemeinde.
Nach Prof. Julius Peter lenkten Prof.
Hermann Furthmoser (1972-1985) und Kantor Martin Rieker (1986-1987)
die musikalischen Geschicke des Vereins, seit 1988 ist Prof. Wolfgang Gabriel
der künstlerische Leiter.
Unter seiner Stabführung standen die Messe in h-moll, die "Johannes-"
und die "Matthäus-Passion", das "Weihnachts-Oratorium",
das "Oster-Oratorium" und das "Magnificat" sowie weltliche
und geistliche Kantaten und Motetten von J. S. Bach, der "Messiah"
von G. F. Händel, die "Johannes-Passion" und die "Weihnachtshistorie"
von H. Schütz, "Die Schöpfung" von J. Haydn, die Messe
in c-Moll und das Requiem von W. A. Mozart, "Ein deutsches Requiem"
von J. Brahms sowie "Messe de Requiem" von G. Faure auf dem Programm.
Im Sommer 2002 wurde der "Messiah" von G. F. Händel im Rahmen
eines Gastauftrittes in der Basilika von Vezelay (Frankreich), begleitet vom
Orchester Camerata de Bourgogne, unter Gabriels Leitung mit großem Erfolg
aufgeführt. Im Jahr 2003 beging die Bachgemeinde ihr 90-Jahr-Jubiläum
mit einem Festkonzert im Schubert-Saal, bei dem drei achtstimmige Motetten
und zwei Brandenburgische Konzerte von J. S. Bach zur Aufführung gelangten.
Im Jahr 2005 fanden ein Konzert der Ehrenmitglieder der Bachgemeinde Wien
mit Werken von H. Schütz, G. Ph. Telemann, G. F. Händel, A. Vivaldi,
K. Ditters von Dittersdorf und F. Mendelssohn-Bartholdy und gemeinsam mit
dem Mödlinger Gesang-Verein zwei Aufführungen des "Deutschen
Requiems" von J. Brahms statt. Zuletzt brachten wir Chöre aus Mozarts
"Lucio Silla", "Thamos", und "Idomeneo" zur
Aufführung.
Chronik - ausführlichere Fassung
Bachs Chormusik wurde den Wienern im größeren Ausmaß erst durch Johannes Brahms bekannt. Meistens wurde Bach aber in häuslichen Zirkeln musiziert, wie schon zu van Swietens Zeiten. Auch in den Jahren um 1840 gab es schon einen "Mautnerschen" Bachverein, der offenbar aus Solisten und Instrumentalisten bestand.
Nach Beendigung der alten Bach-Gesamtausgabe und Gründung der Neuen Bachgesellschaft, deren Hauptaufgabe neben wissenschaftlichen Arbeiten in "praktischen Aufgaben" liegen sollte, unternahm der Brahmsfreund und Archivar der Gesellschaft der Musikfreude Eusebius Mandyczewski, der schon in der alten Bachgesellschaft vor 1900 tätig gewesen war, im Auftrag der Neuen Bachgesellschaft eine Ausgabe von Arien und Duetten für die verschiedenen Stimmgattungen und jeweils Continuo und ein Soloinstrument. Der junge Oboist Alexander Wunderer wurde von Mandyczewski zum probeweisen Durchspielen der vorgesehenen Arien nach dem Material der alten Gesamtausgabe herangezogen und so für Bach begeistert.
Die Aufbruchstimmung nach Gründung der Neuen Bachgesellschaft in Leipzig erfasste in Wien manche Berufsmusiker und Liebhaber, die zunächst in privaten Salons musizierten. Aus der Zeit um 1911 sind Bach-Hauskonzerte bei Hofrat Theodor Escherich nachgewiesen (Foto der Hausfrau mit Widmung und Jahreszahl im Archiv). Diese Tradition blieb auch nach der offiziellen Gründung der Bachgemeinde als Verein bis 1938 bestehen. So fanden im Abstand von zwei Wochen Kantatenabende bei Helene Pessl - der Freundin Alexander Wunderers - in der Ghelengasse in Wien-Hietzing statt. Ihre Tochter Yella wirkte hier als Cembalistin.
Unser Gründungsjahr 1913 ist nicht
nur als Jahr der Skandale mit moderner Musik, sondern auch als das der Eröffnung
des Wiener Konzerthauses und der Gründung der Wiener Mozartgemeinde bemerkenswert.
Über die übrigen Proponenten bei der Gründung ist nichts mehr
bekannt, da das Archiv, soweit nicht bei der Emigration mitgenommen, durch
Kriegseinwirkungen zerstört wurde. Die Gründungsrede ist jedoch
erhalten, sie wird im Anhang I abgedruckt. Die dort erwähnten Chor- und
Orchesterkonzerte wurden, wie aus Programmen ersichtlich, auch vom "Wiener
Chor- und Orchesterverein" durchgeführt.
Wunderer war Schüler Mandyczewskis und später sein Nachfolger im Fach Instrumentenkunde an der Akademie. Mandyczewskis Notennachlass ging an Wunderer und somit an die Bachgemeinde. Die in der Gründungsrede erwähnten Übungsabende wurden später zu öffentlichen Konzerten in kleinen Sälen erweitert. Dabei darf nicht die finanzielle Not dieser Zeit vergessen werden.
Prof. Rudolf Hanzl, später Vorstand der Wiener Philharmoniker und Ehrenmitglied der Bachgemeinde, berichtet aus der Zeit um 1928, als er über Wunderer zur Bachgemeinde stieß: Es gab wöchentlich ein Hauskonzert in der Gusshausstraße bei Dir. Borell von den Wienerberger Ziegelwerken. Musiziert wurde nach den Mandyczewski-Ausgaben. Die Hausfrau sang Sopran, auch die übrigen Solosänger waren Amateure. Die Instrumentalisten brachte Wunderer von der Akademie und die Kollegen vermittelten weiter. Publikum waren nur die gerade nicht beschäftigten Musiker. Der Anreiz bestand in einem guten Nachtmahl nach dem Hauskonzert, in der damaligen Zeit für die Studenten ein Grund zur Weiterempfehlung. Julius Peter wurde dann von der Dirigentenklasse her eingeführt. Er fand die Verbindung zu evangelischen Kreisen und dirigierte Kantatenaufführungen in verschiedenen evangelischen Kirchen, später wurde er Kantor in der evangelischen Kreuzkirche in Wien 14 -Cumberlandstraße. Die Verbindung wurde durch den Sekretär der Gesellschaft der Musikfreunde Zoder hergestellt.
Für Aufführungen mit Chor stand der 1927 von Hans Gál gegründete Madrigalchor zur Verfügung. Gál war ebenfalls ein Freund von Mandyczewski und Wunderer. Nach einem Engagement in Mainz kam er nach Wien zurück und dirigierte einige Aufführungen der Bachgemeinde, an denen sein Chor (sonst für a-capella-Musik zuständig) mitwirkte.
Die Mitglieder der Bachgemeinde sowie des Madrigalchores waren für das neue Regime 1938 größtenteils nicht tragbar. Über die damit verbundenen Schwierigkeiten unterrichtet der Brief Julius Peters an die Stelle für staatliche Kunstförderung vom 2. 2. 1941. Wunderer emigrierte 1949 auf zwei Jahre nach Amerika. Hans Gál war schon nach Edinburgh emigriert.
Der als Ersatz zunächst aus evangelischen Kreisen gegründete Bachgemeinde-Madrigalchor wurde auch durch in Wien garnisonierte Soldaten verstärkt. Die Konzerte konnten nunmehr neben andern Aufführungsorten auch im Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses stattfinden. Für solche Projekte war vorher mangels offizieller Unterstützung einfach kein Geld da gewesen. Hier muss nochmals auf die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Zwischenkriegszeit in Österreich hingewiesen werden.
Die Aufbruchsstimmung dauerte jedoch nicht lange, da viele Studenten nach Kriegsbeginn einrücken mussten. Das Orchester setzte sich dann größtenteils aus philharmonischen Professoren in ziemlich gleichbleibender Besetzung zusammen. Die Philharmoniker waren ja bis zuletzt vom Militärdienst befreit und bildeten dann eine Volkssturmeinheit, die noch Zeit zu Proben und Aufführungen fand. Nach Einberufung Julius Peters übernahm seine Frau Prof. Elfriede Peter für fünf Jahre die Leitung der Bachgemeinde, die Dirigenten wechselten. Das Stammpublikum kam aus evangelischen Kreisen. Aufgeführt wurden damals Kantaten und Passionen von Bach, aber auch Werke von Schütz, Brahms und Händel. Noch 1945 vor dem Einmarsch der Russen wurde die Kantate "Eine feste Burg ist unser Gott" aufgeführt.
Als erstes Konzert nach dem Krieg wurde im Dezember 1945 das Weihnachtsoratorium, wieder unter Julius Peter, aufgeführt. Neben der Aufführung vieler Kantaten in der evangelischen Kreuzkirche in der Cumberlandstraße wurde nach dem Krieg auch der ökomenische Gedanke bestimmend, also zu einer Zeit, als er noch nicht allgemein verbreitet war. Prof. Peter hatte im Krieg den Divisionspfarrer Alois Beck kennengelernt, der dann Kaplan in Penzing an der katholischen Neulandschule wurde und auch der Chor der katholischen Neulandschule wurde in die Bachgemeinde eingebracht, und diese Verstärkung bildete eine Voraussetzung für die Durchführung der großen Projekte des Bachjahres 1950. Bach-Kantaten wurden nunmehr auch in katholischen Kirchen im Rahmen von Weihestunden und Kirchenkonzerten aufgeführt.
Musiktage und -wochenenden wurden in Heiligenkreuz, Wildegg, Raach, im Schloss Belvedere und Neuwaldegg durchgeführt. Der Transport von Musikern und Instrumenten musste auf Lastwägen durchgeführt werden, Autos oder Autobusse standen noch nicht zur Verfügung.
Seit der Saison 1949/50 wurde durch viele Jahre ein Abonnement-Zyklus in Sälen des Konzerthauses aufgelegt, dessen Rückgrat Kantaten bildeten. In der Aufbruchsstimmung des Bach-Jahres 1950 stieg die Zahl der ausübenden und unterstützenden Mitglieder auf über 500, darunter viele bekannte Musiker der damaligen Zeit. Die Begrenzung auf 500 unterstützende Mitglieder war notwendig, da diese Mitglieder ihren Anspruch auf ermäßigten Karten bei Aufführungen wahrnahmen - bei einem höheren Mitgliederstand wären die Möglichkeiten an den Aufführungsorten überfordert gewesen.
Die Monumentalaufführungen eines Karajan oder Karl Richter gab es damals noch nicht regelmäßig. Als die Bachgemeinde zu Ostern 1951 die Matthäus-Passion aufführte, setzte sie damit nicht nur eine Großtat für ihre eigene Geschichte, sondern es wetteiferten die größten Oratoriensolisten der damaligen Zeit um die Mitwirkung (Erika Rokyta, Elisabeth Höngen, Hans Braun, Anton Dermota, Otto Wiener).
Zwischen 1950 und 1954 fanden
Chorreisen in Ausland (Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland)
statt. Am Karfreitag 1950 wurde die Schütz'sche Matthäuspassion
zum ersten Mal in Rom gesungen. Schwerpunkt blieben jedoch immer die Kantaten,
erst recht zu einer Zeit, in der sich andere Vereinigungen auf Bachs Großwerke
besannen. Zwischen 1938 und 1963 wurden 100 verschiedene Kantaten in ca. 400
kirchlichen und konzertanten Aufführungen gespielt. Heute im Zeitalter
der CD-Gesamtaufnahmen des Kantatenwerkes kann man sich den missionarischen
Eifer nicht mehr vorstellen, der damals die Arbeit beflügelte.
Die Abonnementkonzerte des
Kantatenzyklus wurden bis 1968 fortgeführt. Durch eine schwere Erkrankung
Prof. Peters ruhte dann die Arbeit für zwei Jahre. 1971 versuchten mehrere
Mitglieder einen Neubeginn. Robert Behan als künstlerischer Leiter war
nur ein Intermezzo mit einem Konzert, dann übernahm Hermann Furthmoser
die
künstlerische Leitung, als Obmann fungierte zunächst Hans Kretz,
von 1973 bis 1985 Hans Peter Nowak. Die Aufführungsorte waren nun meist
die Minoriten- oder
die Karlskirche, mehrere "Häuser der Begegnung" in Wiener Vorstädten
in Zusammenarbeit mit dem Wiener Volksbildungswerk, der Kursaal in Baden,
immer wieder aber auch Mozart- und Schubertsaal im Wiener Konzerthaus. Trotz
der Vorliebe der Chorsänger für große und bekannte Werke gab
es zwischen 1972 und 1985 24
Kantatenkonzerte mit manchmal drei oder vier Kantaten, oft aber auch mit einem
Instrumentalkonzert in der Mitte.
Neben den schon traditionellen
Werken wurden neu herausgekommene Werke von Vivaldi, Keiser, Telemann und
von Bach-Söhnen einstudiert. Eine Schallplatte mit den
Messen in F und A von Bach wurde eingespielt (Amadeo), alle vier "missae
breves" in Konzerten aufgeführt. Sie erfreuen sich einer gewissen
Beliebtheit bei denjenigen,
die manchen barocken Schwulst in Kantatentexten nicht besonders mögen.
Trotz mancher hörbarer Umtextierungsprobleme gefällt dann das zeitlose
Latein
doch besser.
Die Klangkörper der
Bachgemeinde wurden Bach-Chor und Bach-Collegium benannt. Das Rückgrat
des Bach-Collegiums bilden noch immer die Ehrenmitglieder, soweit sie noch
aktiv spielen. Wie früher habe auch von ihren Professoren empfohlene
Studenten Gelegenheit, sich barockes Rüstzeug zu erwerben. Stilistisch
halten wir eine Mitte zwischen den Extremen, wir spielen mit heutigen Instrumenten
und in heutiger Stimmung, aber unter Berücksichtigung aller Erkenntnisse
über die barocke Stilpraxis.
Das Archiv umfasst die Bach-Werke
in sehr großem Maße, soweit derzeit erhältlich (das alte
Archiv wurde im Krieg zerstört). Das Chormaterial ist fast komplett,
vom Orchestermaterial sind neben allen Großwerken ca. 100 Kantaten vorhanden.
Klavierauszüge sind komplett, Partituren soweit in der Neuen Bachausgabe
erschienen.
Neben Bach finden sich die oben erwähnten Werke anderer Komponisten,
doch ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Das Bach-Jahr 1985 brachte
für die Bachgemeinde die erste komplette Aufführung der h-moll-Messe.
Nach einem Allerheiligenkonzert mit dem "Actus tragicus" und der
"Trauerode" musste jedoch Prof. Furthmoser aus gesundheitlichen
Gründen die künstlerische Leitung niederlegen. Das Adventkonzert
mit 4 Kantaten übernahm
der Obmann Hans Peter Nowak als Dirigent. Mit einer Neuwahl wurde durch einen
Generationensprung ein neuer Abschnitt ab 1986 eingeleitet. Der Kantor
Martin Rieker von der evangelischen Stadtkirche Wien wurde zum künstlerischen
Leiter, Mag. Michael Burggasser zum Obmann gewählt. Die grundsätzliche
Wichtigkeit des Kantatenwerkes konnte so gewahrt werden.
Literatur: 50 Jahre Bachgemeinde Wien 1913-1963 / Eigenverlag.
Wilhelm Waldstein, Hans Gál. Lafite/Österr. Bundesverlag 1965
(S.25)
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Johann Sebastian BACH

Bild 1712
* 21. März 1685 in Eisenach in Thüringen
+ 28. Juli 1750 in Leipzig in Sachsen


BACH's Spiegelmonogram
"...damit dieses eine wohlklingende
Harmonie gebe
zur Ehre Gottes und
zulässiger Ergötzung des Gemüths und soll wie aller Music ...
nur zur Gottes Ehre und Recreation des Gemüths seyn.
Wo dieses nicht in Acht genommen wird,
da ist's keine eigentliche Music
sondern ein Teuflisches Geplerr und Geleyr."
Aus "Gründlicher Unterricht des General-Basses"
(1738) von J. S. Bach






Gesellschaft der Musikfreunde Wien

Bachgemeinde mit Matthäus-Passion
im Wr. Konzerthaus - 1951


Die
Bachgemeinde Wien in der Minoritenkirche Wien - 1999
Downloads zur Geschichte
siehe Presse, Downloads
FactBox - BACHGEMEINDE WIEN Historie